Der Park Güell war ursprünglich nicht als öffentlicher Park geplant, sondern als ein gescheitertes Luxuswohnprojekt des Unternehmers Eusebi Güell. Die Bauarbeiten unter der Leitung des Architekten Antoni Gaudí begannen 1900 mit dem Ziel, eine Gartenstadt für die Elite Barcelonas zu schaffen. Das Projekt war jedoch kommerziell nicht erfolgreich, sodass die Bauarbeiten 1914 eingestellt wurden. Von den sechzig geplanten Häusern wurden nur zwei fertiggestellt.

Die Vision von Güell und Gaudí

Ende des 19. Jahrhunderts erwarb der Industrielle Eusebi Güell ein großes Grundstück auf einem Hügel, der als Muntanya Pelada (Nackter Berg) bekannt ist. Inspiriert von der englischen Gartenstadt-Bewegung beauftragte er seinen Freund und Mitarbeiter Antoni Gaudí mit dem Entwurf einer exklusiven Wohnanlage. Die Vision sah 60 Luxusvillen vor, die in eine natürliche Umgebung mit spektakulärem Blick auf die Stadt und das Meer integriert werden sollten. Die 1878 begonnene Partnerschaft zwischen Güell und Gaudí war eine der fruchtbarsten in der Architekturgeschichte und ermöglichte Gaudí eine immense kreative Freiheit.

Ein Projekt, das seiner Zeit voraus war

Gaudí plante ein komplexes Netz aus Wegen, Viadukten und Treppen, das sich nahtlos in die natürlichen Konturen der Landschaft einfügen sollte. Sein Entwurf war tief in der Natur verwurzelt, mit Säulen, die Bäume nachahmten, und Strukturen, die aus der Erde zu wachsen schienen. Er integrierte auch fortschrittliche Systeme zur Sammlung und Speicherung von Wasser. Es wurden strenge Baubedingungen festgelegt: Nur ein Sechstel jedes Grundstücks durfte bebaut werden, und kein Haus durfte einem Nachbarn das Sonnenlicht oder den Meerblick nehmen.

Der kommerzielle Misserfolg

Trotz der großen Vision gelang es nicht, Käufer für das Projekt zu finden. Der Standort galt damals als zu weit vom Stadtzentrum entfernt und die Verkehrsanbindung war schlecht. Auch die komplizierten Verkaufsbedingungen schreckten potenzielle Investoren ab. Als die Bauarbeiten an den Gemeinschaftsbereichen weitgehend abgeschlossen waren, wurde das Projekt 1914 offiziell aufgegeben. Nur zwei Häuser waren gebaut worden, keines davon von Gaudí selbst. Eines davon war ein Musterhaus, das Gaudí selbst 1906 auf Anregung von Güell kaufte und mit seinem Vater und seiner Nichte bewohnte. Das andere wurde von einem Freund Güells, dem Anwalt Martí Trias i Domènech, erworben.

Die Umwandlung in einen öffentlichen Park

Nachdem das Wohnprojekt aufgegeben worden war, wurde das Gelände zu einem großen privaten Garten, den Güell gelegentlich für öffentliche Veranstaltungen öffnete. Eusebi Güell starb 1918 in seinem Haus auf dem Parkgelände. Nach seinem Tod boten seine Erben das Anwesen dem Stadtrat von Barcelona an. Die Stadt stimmte dem Kauf am 26. Mai 1922 zu, und 1926 wurde der Park offiziell als städtischer Park eröffnet. Gaudís ehemaliges Wohnhaus wurde 1963 als Museumshaus Gaudí der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

UNESCO-Weltkulturerbe

Die weltweite Bedeutung des Parks wurde 1984 offiziell anerkannt, als die UNESCO ihn als Teil der „Werke von Antoni Gaudí“ zum Weltkulturerbe erklärte. Diese Auszeichnung würdigte seinen außergewöhnlichen Beitrag zur Architektur und seinen Einfluss auf die Moderne des 20. Jahrhunderts. Bereits 1969 wurde er zum kunsthistorischen Denkmal erklärt.

  1. 1900: Beginn der Bauarbeiten für die Wohnsiedlung Park Güell.
  2. 1906: Antoni Gaudí zieht in eines der beiden Häuser im Park.
  3. 1914: Das Wohnprojekt wird mangels Käufern aufgegeben.
  4. 1918: Eusebi Güell stirbt in seinem Haus auf dem Anwesen.
  5. 1922: Der Stadtrat von Barcelona beschließt den Kauf des Parks.
  6. 1926: Der Park Güell wird offiziell als städtischer Park für die Öffentlichkeit geöffnet.
  7. 1963: Gaudís ehemaliges Wohnhaus wird als Museumshaus Gaudí eröffnet.
  8. 1984: Die UNESCO erklärt den Park Güell zum Weltkulturerbe.

Heute ist der Park Güell eines der beliebtesten Wahrzeichen Barcelonas und das Zeugnis eines visionären Projekts, das eine neue Bestimmung fand. Um diese einzigartige Mischung aus Natur und Architektur selbst zu erleben, können Sie Ihre Tickets im Voraus buchen und die Wunder des Parks auf eigene Faust erkunden.

Häufig gestellte Fragen

Wofür wurde der Park Güell ursprünglich gebaut?

Der Park Güell war ursprünglich als gehobene Wohnanlage für wohlhabende Familien gedacht, inspiriert von der englischen Gartenstadt-Bewegung. Das von Eusebi Güell initiierte und von Antoni Gaudí entworfene Projekt sah 60 Luxusvillen vor, war aber ein kommerzieller Misserfolg.

Wann wurde der Park Güell für die Öffentlichkeit zugänglich?

Der Park Güell wurde 1926 offiziell als öffentlicher Stadtpark eröffnet. Dies geschah, nachdem der Stadtrat von Barcelona das Anwesen 1922 nach dem Scheitern des ursprünglichen Wohnprojekts von den Erben Eusebi Güells erworben hatte.

Wer hat im Park Güell gewohnt?

Es wurden nur zwei Häuser gebaut. Antoni Gaudí bewohnte eines davon von 1906 bis Ende 1925 mit seiner Familie. Das andere Haus gehörte dem Anwalt Martí Trias i Domènech. Auch Eusebi Güell lebte von 1907 bis zu seinem Tod 1918 auf dem Anwesen, in einer bereits bestehenden Villa namens Casa Larrard.

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